GSMA eSIM Inter-Operator PoC
Deutsche Telekom AG2015–2016
Team: 3 PersonenProduct Owner & Architekt
Überblick
2015 und 2016 lief unter dem Dach der GSMA ein industrieweiter Proof of Concept zur Inter-Operator-Provisionierung von eSIM-Profilen. Ziel war der Nachweis, dass ein operatorübergreifender eSIM-Ansatz technisch funktioniert und in eine offene Standardisierung mündet, statt in eine proprietäre Herstellerlösung. Beteiligt waren unter anderem Deutsche Telekom, Vodafone, Apple, Samsung und Giesecke+Devrient.
Auf Seiten der Deutschen Telekom AG war ich Product Owner und Architekt für die Operator-Komponente. Mein Team umfasste drei Personen einschließlich mir. Verantwortlich war ich für das Operator-BSS, die OSS-Anbindung und die Implementierung der Telekom- und Vodafone-Seite des Demonstrators.
Herausforderung
Vor eSIM war jeder Operatorwechsel an die physische SIM-Karte gekoppelt. Eine programmatische Profilbereitstellung über Hersteller- und Carrier-Grenzen hinweg existierte nicht, und die Geschäftsmodelle vieler Anbieter standen einem Inter-Operator-Konzept entgegen.
Technisch herrschte zwischen den Carriern weitgehend Einigkeit. Patentlagen und wettbewerbsrechtliche Vorgaben blockierten aber direkte bilaterale Kooperationen. Deshalb lief der PoC unter dem Schirm der GSMA als gemeinsamer Demonstrator und nicht als bilaterales Telekom-Vodafone-Projekt.
Hinzu kam der Druck Apples, das den US-Markt mit einer proprietären Lösung adressierte und so das Tempo für eine offene Standardisierung erhöhte. Eine Verzögerung hätte die Carrier in eine Hersteller-Abhängigkeit gedrängt.
Rolle
Ich verantwortete die Telekom-Beiträge in Architektur und Implementierung:
- Anforderungs- und Architekturabstimmung mit den Partnern Vodafone, Apple, Samsung und Giesecke+Devrient
- Spezifikation des Operator-BSS und der OSS-Schnittstellen für Profilbereitstellung und Operator-Swap
- Implementierung der Telekom- und Vodafone-Seite gemeinsam mit einem Kollegen
- Vorbereitung und Durchführung der Demo bei der GSMA in London
Das Gesamtteam auf Telekom-Seite umfasste drei Personen einschließlich mir.
Vorgehen
Wir starteten beim Use Case statt bei der Komponentenlandschaft. Die Standardbegriffe der späteren Architektur (SM-DP+, SM-SR+, Discovery Service) existierten 2015 noch nicht. Stattdessen modellierten wir die Schritte einer Profilbereitstellung und eines Operator-Swaps end-to-end und leiteten daraus die Operator-Schnittstellen ab.
Das BSS bauten wir auf Angular, Node.js und MongoDB. Die Schnittstellen zur OSS-Seite blieben bewusst schlank, weil der PoC die Machbarkeit eines Inter-Operator-Profile-Swaps zeigen sollte, nicht die Produktionsreife eines Carrier-Stacks. Endgeräte für die Demo waren ein Apple iPad Air 2 und zwei Samsung-Geräteklassen.
Architektur und Anforderungen wurden in Workshops mit den Partnern abgestimmt. Apple und Samsung lieferten Endgeräte und Profile-Anforderungen, Giesecke+Devrient die Sicherheitsdomäne, Vodafone die Counterpart-Operator-Seite, die Telekom das eine Ende des Swaps.
Entscheidungen
Use-Case zuerst, Komponenten danach. Eine Top-down-Architektur hätte zu früh Begriffe und Schnittstellen festgelegt, die später in der GSMA-Standardisierung ohnehin überarbeitet wurden. Wir blieben auf der Use-Case-Ebene und ließen die Komponentennamen offen.
BSS im Web-Stack, nicht im Telco-Stack. Angular, Node.js und MongoDB waren ungewöhnlich für ein Carrier-Backend, lieferten aber die Geschwindigkeit, die ein PoC unter Demo-Druck brauchte. Der Trade-off war bewusst: kein Produktionsanspruch, dafür ein lauffähiger Demonstrator innerhalb knapper Zeit.
Demonstrator unter GSMA-Schirm. Eine direkte Telekom-Vodafone-Kooperation war wettbewerbsrechtlich problematisch. Der GSMA-Rahmen machte die Zusammenarbeit anschlussfähig und brachte die Hersteller an einen Tisch.
Ergebnisse
- Erfolgreiche Demo bei der GSMA-Veranstaltung in London im Jahr 2016
- Inter-Operator-Profilbereitstellung und Operator-Swap als funktionierender End-to-End-Flow gezeigt
- 5 industrieweite Akteure für einen gemeinsamen Demonstrator zusammengeführt: Deutsche Telekom, Vodafone, Apple, Samsung, Giesecke+Devrient
- 3 Endgeräte demonstriert: Apple iPad Air 2 und zwei Samsung-Geräteklassen
- Grundstein für die Standardisierung als GSMA SGP.21 Consumer Architecture gelegt
- Vorarbeit für die kommerziellen Inter-Operator-eSIM-Rollouts, die ab 2017 mit der Apple Watch Series 3 und 2018 mit dem iPhone XS in den Markt kamen
- Interne Anerkennung im Telekom-Kontext für Architektur- und Lieferbeitrag
Ein Jahrzehnt später ist eSIM in praktisch jedem modernen Smartphone Standard. Der Beitrag dieses PoC liegt nicht in einer einzelnen Spezifikationsklausel, sondern in der industrieweiten Einigung über die Machbarkeit. Ohne sie hätten proprietäre Lösungen den Markt geprägt.